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Warum Goryachkina zu den Hauptfavoritinnen des Turniers zählt

Wie groß sind Alexandra Gorjatschkinas Chancen, das Kandidatinnen-Turnier 2026 zu gewinnen? Wahrscheinlich gehören sie zu den besten im gesamten Feld

Im Frauenschach gibt es Turniere, in denen man sich einen langen Anlauf, einen vorsichtigen Start und sogar ein oder zwei Ausrutscher erlauben kann. Doch das Kandidatinnen-Turnier ist eine ganz andere Geschichte. Hier geht es nicht um schöne Statistiken und nicht um Status. Hier wird entschieden, wer das Recht erhält, in einem Match um die Weltkrone zu spielen. Im Jahr 2026 findet das Turnier vom 28. März bis 16. April in Paphos, Zypern, im Format eines doppelrundigen Turniers mit 8 Teilnehmerinnen statt. Die Siegerin wird zur Herausforderin im Match um den Titel der Schachweltmeisterin.

Vor diesem Hintergrund der Spannung klingt die Frage nach den Chancen von Alexandra Gorjatschkina völlig logisch. Mehr noch: Sie klingt absolut zeitgemäß. Denn Gorjatschkina geht nicht als Außenseiterin, nicht als zufällige Teilnehmerin eines Elitefeldes in dieses Turnier, sondern als eine der ernsthaftesten Figuren des gesamten Rennens.


Warum gerade Gorjatschkina wie eine echte Anwärterin auf den Sieg wirkt

Gorjatschkina besitzt etwas, das selbst sehr talentierten Schachspielerinnen oft fehlt: Turniergewicht. Sie ist eine Spielerin, die eine lange Distanz tragen kann, nach einem schlechten Tag nicht auseinanderfällt und sich gerade dort sicher fühlt, wo der Druck am größten ist.

Auf der FIDE-Rangliste vom März gehört Alexandra zur Weltelite: Sie hat 2534 Elo-Punkte, und in der Weltrangliste der Frauen steht sie nahe an der absoluten Spitze. Gleichzeitig qualifizierte sie sich für das Kandidatinnen-Turnier als Zweite des Women’s Grand Prix 2024–25 — also auf einem stabilen und voll verdienten Weg und nicht durch einen einmaligen Ausreißer nach oben.

Das ist ein wichtiger Punkt. In solchen Wettbewerben gewinnt sehr oft nicht die Spielerin, die den hellsten Einzelmonat ihrer Karriere hatte, sondern diejenige, die am längsten ein hohes Niveau hält. Und genau damit ist bei Gorjatschkina alles in Ordnung.

Das Hauptargument zu ihren Gunsten: Sie hat tatsächlich keine „unangenehmen“ Gegnerinnen

Wenn man sagt, eine Schachspielerin habe einen „unangenehmen Turnierbaum“ oder ein „unpassendes Feld“, dann meint man meist konkrete stilistische Probleme: Die eine fühlt sich gegen ultrastabile Positionsspielerinnen unwohl, die andere leidet gegen scharfe Taktikerinnen, eine dritte verliert sich in langen Endspielen.

Bei Gorjatschkina ist die Situation anders. Sie ist zu universal, als dass man ihr ein einfaches Etikett anheften könnte.

Gegen positionelle Gegnerinnen kann sie geduldig und trocken spielen.
Gegen aggressive fürchtet sie keine Komplikationen und gerät unter Druck nicht in Panik.
Gegen junge und mutige Spielerinnen hat sie Turniererfahrung und ein tiefes Verständnis für den Rhythmus eines langen Turniers.
Gegen etablierte Stars kennt sie keinen Autoritätskomplex.

Gerade deshalb wirkt die These, dass sie keine unangenehmen Gegnerinnen hat, nicht wie ein hübsches Kompliment, sondern wie eine sehr belastbare Schlussfolgerung. Gorjatschkina ist eine der wenigen Teilnehmerinnen, die in der Lage sind, sich an jedes Schachwetter anzupassen. Und über eine Distanz von 14 Runden ist das oft wichtiger als ein einzelner Trumpf.

Wer ihr am meisten gefährlich werden kann

Das Feld ist dabei extrem stark. In der offiziellen Aufstellung stehen Zhu Jiner, Tan Zhongyi, Divya Deshmukh, Vaishali Rameshbabu, Bibisara Assaubayeva, Kateryna Lagno und Alexandra Gorjatschkina, und nach dem Rückzug von Humpy Koneru wurde ihr Platz von Anna Musytschuk eingenommen. Dieses Teilnehmerfeld wurde von der FIDE und den Turnierorganisatoren bestätigt.

Wenn man offen spricht, sehen die wichtigsten Gefahren für Gorjatschkina so aus:

1. Zhu Jiner — der Faktor Form und Rating

Im März 2026 hat Zhu Jiner 2578 Elo und steht in der Weltrangliste vor Gorjatschkina. Sie ist längst nicht mehr nur eine vielversprechende Schachspielerin, sondern eine Spielerin mit echter Durchschlagskraft, die ein Turnier in sehr hohem Tempo durchziehen kann.

2. Tan Zhongyi — der Faktor Erfahrung und Verständnis für große Matches

Tan weiß, wie man Turniere spielt, in denen der Preis jeder einzelnen Partie enorm ist. Solche Gegnerinnen überlistet man nicht „an einem Abend mit bloßer Klasse“ — gegen sie muss man bereit sein für einen langen, nervösen und zähen Kampf.

3. Anna Musytschuk — der Faktor Reife und Disziplin

Nach dem Ersatz von Humpy Koneru wurde das Feld nicht automatisch leichter. Musytschuk ist eine Spielerin höchster Klasse, und ihre Teilnahme macht das Turnier noch dichter. Der Wechsel selbst wurde von der FIDE am 23. März 2026 bestätigt.

4. Lagno, Vaishali, Divya, Assaubayeva — der Faktor Turnierschwankungen

In einem doppelrundigen Turnier sind nicht nur die Hauptfavoritinnen gefährlich. Manchmal wird alles nicht in den direkten Duellen der Führenden entschieden, sondern in den Partien gegen jene, die eine ultragenaue Serie hinlegen können. Und genau hier steht Gorjatschkina vor ihrer wichtigsten Aufgabe: keine unnötigen halben Punkte zu verschenken, wenn das Meisterschaftstempo kompromisslose Konzentration verlangt.

Was Gorjatschkina auf der langen Distanz besonders gefährlich macht

Alexandra besitzt ein Bündel von Eigenschaften, das nahezu perfekt zum Format eines Kandidatinnen-Turniers passt.

Erstens gerät sie nicht in Hektik.
Das ist eine äußerst wichtige Eigenschaft in einem Wettbewerb, in dem nach jeder Partie der Lärm beginnt: Tabelle, Prozentsätze, Prognosen, Druck, Gespräche über Favoritinnen.

Zweitens kann sie ökonomisch spielen.
Nicht im Sinne von passiv, sondern im Sinne von rational. Sie verschwendet selten Kraft, spielt selten für das Publikum und bleibt fast immer in der Logik einer Turnierstrategie.

Drittens ist sie schwer aus dem Rhythmus zu bringen.
Und genau solche Turniere gewinnt fast immer diejenige, die emotional weniger zerbricht als die anderen.

Wo sich ihr größtes Problem verbergen könnte

Bei all ihren Stärken wäre es falsch, so zu tun, als würde Gorjatschkinas Weg gerade und glatt verlaufen.

Ihr größtes Risiko ist nicht eine „unangenehme Gegnerin“, sondern das Turnier selbst als Marathon. In solchen Wettbewerben gewinnt oft nicht die stärkste Spielerin in einzelnen Partien, sondern diejenige, die Krisenphasen präziser durchsteht: nach einem Rückschlag, nach einem vergebenen Sieg, nach einer schweren Verteidigung.

Mit anderen Worten: Gorjatschkinas größte Gegnerin ist kein konkreter Name in der Auslosung.
Gorjatschkinas größte Gegnerin ist der Preis des eigenen Fehlers über die Distanz.

Gerade deshalb ist die Formel „Sie hat keine unangenehmen Gegnerinnen“ nur zur Hälfte wahr. Ja, stilistisch und von der Klasse her ist sie in der Lage, gegen jede zu spielen. Aber das hebt nicht auf, dass in einem Turnier dieses Niveaus schon eine einzige falsche Entscheidung im Endspiel oder eine zu friedliche Eröffnungswahl den ersten Platz kosten kann.

Wie groß sind ihre Chancen also wirklich?

Wenn man ohne laute Parolen und ohne unnötige Romantik urteilt, dann lautet die Antwort so:

Gorjatschkinas Chancen sind sehr hoch.
Nicht abstrakt, nicht „theoretisch“, sondern ganz real.

Sie geht in das Turnier:

  • mit einem Eliterating,
  • mit bestätigter Stabilität,
  • mit Erfahrung in großen Schachzyklen,
  • mit einem universellen Stil,
  • und ohne ein für sie offensichtlich katastrophales Gegnerinnenfeld.

Gerade deshalb ist es logisch, Gorjatschkina zu den Hauptfavoritinnen zu zählen. Nicht unbedingt als alleinige Nummer eins, aber ganz sicher im engsten Kreis der Anwärterinnen auf den Sieg.

Fazit

Das Kandidatinnen-Turnier 2026 wird Schwäche, Nervosität oder den Versuch, die Distanz allein auf Inspiration zu überstehen, kaum verzeihen. Es ist ein Turnier des Charakters, der Disziplin und der Qualität von Entscheidungen in den unangenehmsten Momenten. Und genau hier hat Alexandra Gorjatschkina alles, was sie braucht, um als Erste ins Ziel zu kommen.

Wirklich unangenehme Gegnerinnen sind bei ihr tatsächlich nicht zu erkennen.
Das bedeutet aber nicht, dass ihr Weg leicht sein wird. Es bedeutet etwas anderes: Wenn Gorjatschkina nicht an sich selbst scheitert, wenn sie das Tempo, die Spannung und die entscheidenden Weggabelungen des Turniers aushält, dann wäre ihr Sieg keine Sensation.

Er wäre eine закономерность.